Datennutzung in der Kommunalen Wärmeplanung – ein Erfahrungsbericht der Stadt Aschersleben
Die kommunale Wärmeplanung nimmt derzeit eine zentrale Rolle in der kommunalen Energieleitplanung ein und findet als solche landesweit entsprechend viel Aufmerksamkeit. Sie wurde auf Bundesebene als zentrales Instrument eingeführt, um die Wärmewende strukturiert, wirtschaftlich und sozialverträglich zu gestalten. Ziel ist es, auf kommunaler Ebene eine langfristige, verlässliche Strategie für eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung zu entwickeln. Sie schafft Transparenz über bestehende Versorgungsstrukturen, identifiziert Entwicklungspfade und gibt Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen sowie politischen Entscheidungsträgern Orientierung für Investitionen und Planungen.
Dabei steht die kommunale Wärmeplanung projekttechnisch auf den Säulen vier gesetzlich definierter Meilensteine. Zunächst wird in der Bestandsanalyse der aktuelle Stand der Wärmeversorgung systematisch erfasst. Dazu zählen der Gebäudebestand, Energieverbräuche, Heizungsstrukturen, bestehende Netzinfrastrukturen sowie die derzeit relevanten Energiequellen. Ziel ist es, ein möglichst präzises Bild der heutigen Versorgungssituation zu erhalten. In der anschließenden Potenzialanalyse werden technische und wirtschaftliche Potenziale untersucht. Dazu gehören unter anderem erneuerbare Wärmequellen wie Geothermie, Solarthermie oder Abwärmenutzung, ebenso wie Effizienzpotenziale im Gebäudebestand oder Möglichkeiten zur Verdichtung und Erweiterung von Wärmenetzen. Im dritten Schritt wird ein langfristiges Szenario entwickelt, das beschreibt, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung im Zieljahr 2045 erreicht werden kann. Hier werden verschiedene Transformationspfade bewertet und priorisiert, um eine tragfähige strategische Ausrichtung für die Kommune zu definieren. Abschließend werden konkrete Maßnahmen formuliert, zeitlich priorisiert und räumlich verortet. Diese Maßnahmen bilden die operative Grundlage für Verwaltung, Politik, Energieversorger und weitere Akteure.
Die Stadt Aschersleben befindet sich derzeit in der finalen Phase dieses Prozesses. Nach intensiver Analysearbeit wird aktuell am Maßnahmenkatalog gearbeitet. Ziel ist es, die kommunale Wärmeplanung bis Ende März abzuschließen und damit eine strategische Grundlage für die kommenden Jahre zu schaffen.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Prozess war die frühzeitige und umfassende Auseinandersetzung mit der Datenbasis. Die Stadt Aschersleben hat gemeinsam mit ihrem Dienstleister zu Beginn erhebliche Ressourcen in die Beschaffung, Strukturierung und Bewertung relevanter Daten investiert. Denn eine belastbare Wärmeplanung steht und fällt mit der Qualität ihrer Datengrundlage.
Besonders entscheidend waren dabei Geo-, Gebäude- und Infrastrukturdaten. Die Daten des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt (LVermGeo) bildeten hier die Ausgangsbasis, die um weitere ALKIS-Daten, die kommunalen GIS-Datenbestände, Versorgerdaten, Schornsteinfegerdaten, kommerzielle Datenbanken sowie punktuelle Vor-Ort-Plausibilitätsprüfungen technisch miteinander verschnitten und harmonisiert wurden. Auf diese Weise entstand eine konsistente, aktuelle und räumlich hochaufgelöste Datenbasis zum kommunalen Gebäude- und Infrastrukturbestand. Erst diese integrierte Betrachtung ermöglicht eine realistische Bewertung von Wärmebedarfen, Netzpotenzialen und Transformationsoptionen. Im Zuge der teilweise kommunikationsaufwendigen Datenbeschaffung kam im Projektteam der Stadt Aschersleben die Diskussion auf, wie genau die Bestandsanalyse sein muss, um der recht hohen Flugebene der Wärmeplanung gerecht zu werden. Zugegebenermaßen reicht für die gesetzlich geforderten, eher generellen Aussagen der Wärmeplanung auf Baublockebene eine Datenschärfe, die sich weitestgehend mit öffentlich zugänglichen Daten abdecken ließe. Das Beispiel in Abbildung 1 zeigt, dass die Darstellung und Auflösung der Wärmebedarfsdichte im Verhältnis zum Aufwand der Datenbeschaffung eher grob wirkt. Eine solche Darstellung mit dieser Aussagekraft, ließe sich auch mit rein öffentlichen Daten erzeugen.
Der zusätzliche Aufwand der Datenschärfung im Zuge der initialen Wärmeplanung scheint im Verhältnis zur Aussagekraft der Darstellungen des Wärmeplans zunächst nicht gerechtfertigt. Doch mindestens in der Ausarbeitung konkreter Maßnahmen, aber spätestens im Zuge der Verstetigung und Fortschreibung der Wärmeplanung, spielt eine detaillierte Datenbasis ihre Stärken aus. Abbildung 2 zeigt das Ergebnis der Zielszenario-Simulation für das Zieljahr 2045, welches sich wesentlich differenzierter in der Entwicklung der einzelnen Baublöcke darstellt, als die Abbildung 1 im Betrachtungsjahr zulässt. Aufgrund der ohnehin unscharfen Annahmen einer solchen Simulation, schwingt sich die Unschärfe der Ergebnisse mit einer groben Datenbasis numerisch auf und führt bei genauerem Hinsehen zu widersprüchlichen und wenig plausiblen Ergebnissen. Je genauer die Datenbasis ist, desto aussagekräftiger wird die Nutzung der Daten in den situativen Werkzeugen der Dienstleister. Darüber hinaus kann die erarbeitete Datenbasis in konkretere planerische Betrachtungen und anschließende Machbarkeitsstudien eingearbeitet werden. Auch die anstehende Pflege der Daten in der Fortschreibung der Wärmeplanung wird über die Nutzung verschiedener Datenquellen und einer detaillierteren Bestandsanalyse resilienter und langlebiger. Es stellt sich jedoch die Frage, wie eine Verwaltung ohne Dienstleister mit einem solchen Datenumfang arbeiten soll – klassische Excel-Tabellen kommen hier schnell an ihre Grenzen.
Eine zentrale Rolle in der Aufarbeitung der Rohdaten spielt dabei der Einsatz eines digitalen Zwillings, der meist vom beauftragten Dienstleister mitgebracht wird. Während klassische GIS-Anwendungen primär der kartographischen Darstellung dienen, geht der digitale Zwilling deutlich darüber hinaus. Er vereint Geodaten, Gebäudestrukturen, Verbrauchskennwerte und Infrastrukturdaten in einem dynamischen, auswertbaren Modell. Neben der anschaulichen Visualisierung ermöglicht der digitale Zwilling insbesondere schnelle absolute, sowie statistische Auswertungen der Bestandsdaten. Energetisch relevante oder kritische Gebiete können gezielt identifiziert werden – beispielsweise Quartiere mit hohem Sanierungsbedarf, Gebiete mit günstigen Voraussetzungen für Wärmenetze oder Areale mit besonderem Potenzial für erneuerbare Wärmequellen. Gleichzeitig lassen sich strategische städtebauliche Entwicklungen modellhaft abbilden und ihre Auswirkungen auf die Wärmeversorgung simulieren. Damit schafft der digitale Zwilling eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage für Verwaltung und politische Gremien. Doch auch ein dynamischer digitaler Zwilling, voll mit aufwendig beschafften Datenpaketen, ist in kurzer Zeit nicht mehr aktuell genug, um die gewünschten Erkenntnisse zu gewinnen.
Mit Blick auf die Verstetigung und Fortschreibung der kommunalen Wärmeplanung wird deutlich: Die kontinuierliche Pflege und Weiterentwicklung dieser Datenbestände ist von zentraler Bedeutung. Ein digitaler Zwilling, mit Fokus auf Wärme- oder Energieleitplanung, kann dabei als dauerhaftes Arbeitsinstrument dienen, um Veränderungen im Gebäudebestand, in der Infrastruktur oder in der Gesetzgebung zeitnah abzubilden und Planungen fortzuschreiben. Die digitalen Zwillinge der im Zuge der Wärmeplanung beauftragten Dienstleister, kommen konzeptionell in der Verstetigung und Fortschreibung der Wärmeplanung an ihre Grenzen. Darüber hinaus sind die Bandbreite und technische Tiefe von digitalen Zwillingen verschiedener Anbieter sehr unterschiedlich.
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine grundsätzliche Frage: Würde eine standardisierte Softwarelösung für digitale Zwillinge mit dem Fokus Energie, die Qualität der Energie- und Wärmeleitplanung sowie die Vernetzung der Kommunen nicht signifikant verbessern? Ein solches Vorhaben könnte Synergien schaffen, Datenstandards vereinheitlichen und den Kommunen die Fortschreibung der Wärmeplanung auf einem hohen technischen Standard ermöglichen. Angesichts der komplexen Herausforderungen der Energiewende erscheint ein solcher Ansatz durchaus denkbar – und möglicherweise notwendig –, um den kommunalen Transformationsprozess effizient, wirtschaftlich und zukunftssicher zu gestalten – also die eigentlichen Ziele der Wärmeplanung mittel- und langfristig umzusetzen.
Die Erfahrungen landesweiter abgeschlossener Wärmeplanungen zeigen bereits heute: Eine fundierte Datenbasis, intelligente digitale Werkzeuge und eine strategisch ausgerichtete Planung sind zentrale Bausteine, um die Wärmewende auf kommunaler Ebene erfolgreich umzusetzen und den Wandel in Sachsen-Anhalt aktiv voranzutreiben.
Weitere Informationen:
Stadt Aschersleben - Kommunale Wärmeplanung
(F. Eley, Koordinator für kommunale Wärmeplanung, Energie, Klimaschutz & Nachhaltigkeit Stadt Aschersleben, Markt 1, 06449 Aschersleben)
![Abb. 1: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Betrachtungsjahr 2024 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Bestandsanalyse KWP Aschersleben – Bestandsanalyse vom 30.09.2025 – Ausschnitt vom 23.02.2026] Abb. 1: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Betrachtungsjahr 2024 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Bestandsanalyse KWP Aschersleben – Bestandsanalyse vom 30.09.2025 – Ausschnitt vom 23.02.2026]](https://www.geodatenportal.sachsen-anhalt.de/gfds/de/datei/zuschneiden/250x170/id/632773,501/abb_1_kwp.png)
![Abb. 1: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Betrachtungsjahr 2024 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Bestandsanalyse KWP Aschersleben – Bestandsanalyse vom 30.09.2025 – Ausschnitt vom 23.02.2026] Abb. 1: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Betrachtungsjahr 2024 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Bestandsanalyse KWP Aschersleben – Bestandsanalyse vom 30.09.2025 – Ausschnitt vom 23.02.2026]](https://www.geodatenportal.sachsen-anhalt.de/gfds/de/datei/zuschneiden/576x392/id/632773,501/abb_1_kwp.png)



![Abb. 2: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Zieljahr 2045 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Zielszenario KWP Aschersleben – Zielszenario vom 10.02.2026 – Ausschnitt vom 23.02.2026] Abb. 2: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Zieljahr 2045 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Zielszenario KWP Aschersleben – Zielszenario vom 10.02.2026 – Ausschnitt vom 23.02.2026]](https://www.geodatenportal.sachsen-anhalt.de/gfds/de/datei/zuschneiden/250x170/id/632776,501/abb_2_kwp.png)
![Abb. 2: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Zieljahr 2045 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Zielszenario KWP Aschersleben – Zielszenario vom 10.02.2026 – Ausschnitt vom 23.02.2026] Abb. 2: Endenergieverbrauch [MWh] der Kernstadt Ascherslebens im Zieljahr 2045 – [Quelle: Ausschnitt Bericht Zielszenario KWP Aschersleben – Zielszenario vom 10.02.2026 – Ausschnitt vom 23.02.2026]](https://www.geodatenportal.sachsen-anhalt.de/gfds/de/datei/zuschneiden/576x392/id/632776,501/abb_2_kwp.png)

